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EDAI Jahresbericht 2009 1.1. – 31.12.2009
Vom 1. Januar bis zum 31. Dezember 2009 traf sich der Vorstand zu 3 Sitzungen, in denen Sachfragen, aber auch das Dauerthema „EDAI – wie weiter?“ zur Diskussion standen. Irgendwie war wieder der Punkt erreicht, wo Projekte von ehemals aktiven indianischen Gesuchsteller/innen ganz aufgegeben worden waren oder wenig erfolgversprechend vor sich hin dösten.
Der Vorstand versuchte zwar via die Informationskanäle in Erfahrung zu bringen, was sich in Sachen Wildreislieferungen in die Schweiz oder Non-Timber-Produkte von Rose und Ric Richardson bewegen könnte. Doch die Rückmeldungen waren spärlich oder trafen gar nicht ein.
Von Henry Red Clouds Treibhausprojekt war einzig zu erfahren, dass 4 Tonnen Gemüse geerntet wurden, 20 Familien Gemüse kauften und an 60 Familien Gemüse gratis abgegeben worden war. Bei einer Veranstaltung im NONAM (Nordamerika Native Museum) in Zürich, wo Henry Red Cloud am 3. März 2010 persönlich auftrat, erklärte er auf meine Anfrage hin, dass das Treibhausprojekt bzw. die damit gekoppelten Gemüse- und Medizinalpflanzenprojekte sich weiterhin gut entwickelten. Auch das Bisonprojekt, an dem sich EDAI allerdings nicht beteiligt, scheint trotz letztjährig anderweitiger Gerüchte gut voranzukommen: 3 Familien besitzen heute bis zu je 100 Bisons, und Henry stellte direkt die Frage nach Rat und Hilfe für die Vermarktung von getrocknetem Bisonfleisch in Europa. Das Projekt Solarheizungen scheint sich dank der neuen Umweltpolitik der USA sehr gut zu entwickeln: Henry beschäftigt nun auf Pine Ridge 8 Angestellte für die Produktion und Montage von Solaranlagen für die Warmwassergewinnung, bildete 42 Leute aus, was indirekt zu 72 neuen Arbeitsstellen führte. Auch an diesem Projekt ist EDAI nicht beteiligt.
Als für EDAI direkt erfolgsorientiertes Projekt erwies sich die Homepage. Die Besucherstatistik zeigte, dass die von ihr verbreiteten Informationen sicher nicht auf ein fulminantes, aber solid kontinuierliches Interesse gerade auch in Übersee stiessen. Dies motivierte den Betreuer/Webmaster Bernard Müller laufend zu benutzerfreundlichen Verbesserungen und zur Aufdatierung der Informationen, die vor allem von der Pikangikum First Nation immer wieder aus Nordwest-Ontario/Kanada eintrafen.
Bernard Müllers genaue Kenntnisse der Situation dort und der Wald und Holznutzungspläne der Pikangikum First Nation führten zu einem nächsten Aktivitätsschub: Es zeichnete sich ab, dass deren Whitefeather Forest Management Corporation jemanden vor Ort für die Beratung und die Entscheide der nächsten ge-schäftlichen Schritte benötigte. Die Teilnehmer/innen der Jahresversammlung vom 12. Mai 2009 wurden dementsprechend informiert, und sie bewilligten eine ausserordentliche Übernahme der Reisekosten durch EDAI. Mit Datum vom 26. August 2009 erhielt EDAI das offizielle Gesuch der Whitefeather Forest Manage-ment Corporation für die direkte Unterstützung ihrer Anliegen.
Am 9. Oktober 2009 reiste Bernard Müller nach Kanada ab. Der Plan zur Abklärung des Stands der ange-fangenen Projekte war mit dem Vorstand diskutiert worden und umfasste Stationen von Vancouver Island/ British Columbia über Green Lake/Saskatchewan, Winnipeg/Manitoba zur Reservation der Pikangikum First Nation/Ontario. Nach seiner Rückkehr orientierte Bernard Müller den Vorstand in einer längeren Sitzung umfassend und detailliert über den Stand und die zukünftigen Schritte verschiedener, auch neu möglicher Projekte.
Ebenfalls einen Schritt weiter ist das Försterprojekt, das Monika Jäggi initiiert hat und betreut. Monika Jäggi hat den Kontakt zu Kantonsförstern in der Schweiz hergestellt und klärt weiter ab, inwiefern sich ein frucht-barer Austausch von Fachwissen für die indianische Waldnutzung bewerkstelligen liesse. Schweizerischer-seits wären die genannten Fachleute daran interessiert, ihr Wissen und ihre Erfahrungen weiterzuvermitteln. Ob sich aus diesen Plänen direkte Kontakte ergeben werden, ob sich daraus gar ein offizielles Programm der Zusammenarbeit ausserhalb von EDAI entwickeln wird, ob sich die Vorstellung des EDAI-Vorstands für eine Bewirtschaftung kanadischer Wälder mit nachhaltigen Methoden (zum Beispiel Holzrücken mit Pferden) realisieren lässt, bleibt im Moment abzuwarten. Letzteres würde den Aufbau einer ganzen Infrastruktur, sogar unter Einbezug von weiblichen Arbeitskräften, ermöglichen. Monika Jäggi betreut dieses Projekt nicht als Vorstandsmitglied, sondern zeigt eine Möglichkeit für die direkte Projektarbeit von EDAI-Mitgliedern auf.
Das Projekt Non-Timber-Produkte von Rose und Ric Richardson hat durch die Beratungsreise von Bernard Müller noch 2009 wichtige Impulse erhalten, ist dank einer Medienkonferenz vor Ort von Regie-rungsstellen in Saskatchewan/Kanada wahrgenommen worden und scheint auch bis hin zur finanziellen Unterstützung gut aufgegleist zu sein. Auch EDAI stiess damit als unterstützende Organisation auf das Interesse von Medien und offiziellen kanadischen Stellen.
Was die Lieferung von Wildreis betrifft, beschloss der Vorstand eine Testphase anzusetzen. Dabei wurde noch im Dezember 2009 festgestellt, dass die Lieferung auch grösserer Quantitäten innerhalb Kanadas durchaus funktioniert. Der nächste Testschritt soll abklären, ob Lieferungen auch in die Schweiz wieder machbar sind.
Der Vorstand blickt bei der Antwort auf die Frage „EDAI – wie weiter?“ sehr zuversichtlich in die Zukunft. Was ihn im Blick auf die momentane Situation einzig besorgt machen könnte, ist das finanzielle Problem: Wie lassen sich beim doch leicht abgenommenen Mitgliederbestand (28 Mitglieder am 31.12.2009) die all-fälligen Kosten tragen. Selbst wenn nun die Whitefeather Forest Management Corporation die Finanzierung weiterer Auslagen von EDAI für Beratung und Förderung ihrer Projekte übernimmt, dürfte der Bedarf an finanziellen Mitteln weiter steigen.
Wie seit 1992 haben die Vorstandsmitglieder, die zwar nicht immer dieselben waren, von denen sich aber doch ein sog. Stock halten liess, die Arbeit von EDAI tatkräftig und mit einer beruhigenden Kontinuität unter-stützt bzw. geplant und erledigt.
Zu vermelden ist noch, dass Rolf Jucker kurz nach der Jahresversammlung 2009 seinen sofortigen Rücktritt aus dem Vorstand bekanntgab. Die Gründe dafür hatten zu tun mit seiner beruflichen Belastung als neuer Geschäftsführer der Stiftung Umweltbildung Schweiz (SUB), Bern, aber auch mit seiner Einschätzung, dass er sich nicht mehr „intensiver mit den Anliegen von EDAI auseinandersetzen“ und darum auch keine „pro-aktiven Impulse“ in die Vorstandsarbeit mehr einbringen könne. Der Vorstand bedauert diesen Rücktritt und möchte die Gelegenheit nutzen, die an der Jahresversammlung 2010 anwesenden Mitglieder aufzufordern, sich doch Gedanken zu einer eventuellen Mitarbeit im Vorstand oder im Rahmen der direkten Projekt-betreuung zu machen.
Wie sich der Vereinsbestand personell und finanziell weiter entwickeln liesse, bleibt als Frage offen resp. möchte der Vorstand an die Mitglieder als Aufforderung zum Mitdenken und Mitgestalten ins Jahr 2010 weitergeben.
Grüt, 9. März 2010 Für den Vorstand von EDAI
Der Präsident
Heinz Lippuner
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