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Das Bespiel Wildreis in der White Earth Reservation

Firmen machen dicht...
Die Pikangikum First Nation arbeitet auf Lösungen hin
!

 

Dryden cropped


Kenora, eine typische Holzverarbeitungsstadt im Nordwesten der Provinz Ontario, Kanada, sieht sich einem wirtschaftlichen Desaster ausgesetzt: Die Firma Abitibi kündigte die definitive Schliessung ihrer Zellstofffabrik auf Ende Oktober 2005 an. 350 Angestellte werden arbeitslos und die Wirtschaft Kenoras, die völlig abhängig ist von der seit 1923 ansässigen Fabrik, wird viele ihrer besten Kunden verlieren. Der Präsident der lokalen Internationalen Vereinigung der Maschinisten, Tom Beach, erklärt unter anderem: „Dieses Tatsache wird für die Stadt schreckliche Konsequenzen haben.“ Ein Firmensprecher teilte mit, man sei im Gespräch mit der Provinzregierung, um einen Weg zur Senkung der hohen Energiekosten zu finden, damit wenigstens eine Produktionslinie noch weiterarbeiten könnte.

- weil sie weltweit den schnellen Profit suchen
In einem Leserbrief an die Lokalzeitung Miner & News hält Udo Staschik zusammenfassend fest:

    “Die Schliessung der Zellstofffabrik in Kenora war voraussehbar. Wegen der Globalisierung, der Unerfahrenheit und der Naivität der Stadtverwaltung sowie der Stadtbehörden konnte die Stilllegung nicht verhindert werden. Grosse nationale und internationale Firmen sind einzig an raschen und leicht zu realisierenden Profiten interessiert. Sie haben kein Interesse an nachhaltigem oder lokalem Engagement. Die Aktionäre der Supermärkte Wal-Mart, Zellers sowie der holzverarbeitenden Firmen Weyerhaeuser und Abitibi wohnen in Hong Kong, Zürich, Seattle, New York und Toronto. Warum sollten sie sich Sorgen machen um eine Stadt in Nord-Ontario? Stadtbehörden und Bürgermeister waren unerfahren und naiv, wenn sie glaubten, die Anlockung von grossen nationalen oder internationalen Firmen nach Kenora wäre von irgendwelchem Gewinn. Das Gegenteil ist der Fall: Es wird eine einseitige Abhängigkeit von den von auswärts kontrollierten Firmen geschaffen. […]
    - und mit dem Versagen der lokalen Behörden rechnen können
    Der Bürgermeister delegierte seine Verantwortung den Bürgern von Kenora gegenüber an Abitibi, Wal-Mart und an andere Firmen, und er muss nun zur Kenntnis nehmen, dass diese kein Interesse an einer Unterstützung seiner Person oder der Stadt Kenora haben. […] In weniger als sechs Monaten werden Wal-Mart und Zellers wegen der fehlenden Lohngelder der arbeitslosen Angestellten einen Geschäftsrückgang feststellen und ihre Läden schliessen. Anstatt globale Firmen zu hofieren hätte die Stadt sich auf lokal betriebene Unternehmen ausrichten sollen. Mittelgrosse Firmen oder Dienstleistungsbetriebe hätten einen Grund gehabt, in der Stadt zu bleiben, Wal-Mart oder Zellers haben keinen.”

Erstaunlich bei dieser Entwicklung ist, wie lange sich in Nordwest-Ontario das blinde Vertrauen in die holzverarbeitenden Grosskonzerne überhaupt halten konnte, denn der Trend zu mehr Effizienz dauerte schon lange an: Die Papierfabriken z.B. beschäftigten bei jeder Modernisierungsrunde drastisch weniger Angestellte.

Dabei gäbe es andere Möglichkeiten
Gegenüber den Konzernen mit ihrer Lobby-Macht hatten nachhaltige Waldnutzungsprojekte wie die Whitefeather-Forest Intitiave der (Ojibway) Pikangikum First Nation (www.whitefeatherforest.com) zeitweise einen sehr hartenwfpa_map2 Stand. Der Druck, ihre Waldgebiete der Totalabholzung preiszugeben, reichte bis zum Geldstopp durch die Indianerbehörde (2001). Dieser beruhte auf unhaltbaren Vorwürfen und wurde erst nach einem langwierigen Gerichtsprozess aufgehoben.
Massgebend für den Widerstand der Pikangikum-Leute war ihre Einsicht, dass bisher praktisch kein einziger Indianer in der hochtechnisierten Holzverarbeitung beschäftigt war. Bei einer Totalabholzung in ihrem Gebiet würde jedoch ein Erbe verschleudert und zerstört, das als Grundlage einer diversifizierten Kleinindustrie für den unter extrem hoher Arbeitslosigkeit leidenden indianischen Gemeinde dienen könnte.

Die Pikangikum-Indianer arbeiten auf Lösungen hin
Eine Gebietsinventarisierung durch das Whitefeather-Projekt hatte zum Ziel, das profunde, über Generationen angesammelte Wissen der Bevölkerung als Basis für eine researchers103detaillierte Planung und Nutzung regionaler natürlicher Ressourcen einzusetzen. Dabei wurden Vorgehensweisen verwendet, welche die Whitefeather-Initiative inzwischen zu einem pionierhaften Vorzeigeprojekt werden liessen. Es geniesst heute sogar die Unterstützung der Regierung und kooperiert mit namhaften kanadischen Universitäten:

Junge Arbeitslose des Pikangikum-Reservats machten Interviews mit den Grosseltern, welche die in jeder Bioregion vorhandenen Ressourcen bestens kannten (siehe dazu:http://www.whitefeatherforest.com/the_initiative/cb-lup-gatheringinfo.html ). Damit war eine wichtige Voraussetzung für die weitere Planung durch die Pikangikum-Leute erfüllt. Aus der Sicht der Indianer ist die Arbeitsbeschaffung das vordringlichste Anliegen. Es muss jedoch die Tradition der Biodiversität und der Nachhaltigkeit zugunsten zukünftiger Generationen berücksichtigen. Das Wissen der Elders ist riesig und umfasst u.a. den Wachstumskalender und den Standort von Medizinpflanzen, die Brutplätze und Wanderrouten der Wildtiere, das Wissen auch über Schädlinge und deren Zyklen. Dies ist in allem ein von der modernen Wissenschaft erst jetzt langsam erkannter forestwork02Wissensschatz.

Nachdenklich macht, wie leicht die Zerstörung der einzigartigen Naturgüter noch vor wenigen Jahren gefallen wäre, zugunsten einer eindimensionalen Wirtschaft, die bereits heute jegliche positive Funktion auch gegenüber der regionalen weissen Bevölkerung aufgegeben hat.

Die Informationen aus Kenora sprechen für sich: Sie zeigen auf, dass wirtschaftliche Überlegungen auf längere Sicht angelegt werden müssen und damit in Richtung einer nachhaltigen Entwicklung vorzunehmen sind.

Mehr Informationen zur Whitefeather Forest Initiative siehe:
www.whitefeatherforest.com
Mehr Information zur Grundproblematik siehe:
http://www.wildlandsleague.org

website updated March12th 2010

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